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Pressemitteilung 19/26 - 26.02.2026

Stadtgrün in Augsburg: Gesundheitsbooster oder Pollenfalle?

Wie Stadtplanung, Umweltfaktoren und digitale Anwendungen zusammenspielen, um Allergien besser zu verstehen und Symptome zu reduzieren

Stadtgrün ist gut für die individuelle Gesundheit und das innerst?dtische Klima, kann für Allergikerinnen und Allergiker jedoch zur Belastung werden. Wissenschaftlerinnen am Lehrstuhl für Umweltmedizin der Universit?t Augsburg besch?ftigen sich mit der Frage wie urbane Vegetation Allergien beeinflusst. Sie sind Co-Autoren einer internationalen Leitlinie zur gesundheitsf?rderlichen Stadtplanung und erstellten eine hochaufgel?sten Kartierung allergener Hotspots in Augsburg. Ebenfalls am Lehrstuhl entwickelt wurde die Pollen-Warn-App PollDi, die nach einer Testphase in Augsburg und Bad Hindelang nun frei verfüg- und nutzbar ist.

Die gemeine Hasel ist eine h?ufige Allergiepflanze, blüht sehr früh und ist in vielen innerst?dtischen Parks und G?rten zu finden, wie hier im Augsburger Reese-Park. ? Universit?t Augsburg

Kaum liegt der Winter in den letzten Zügen, spüren Allergiegeplagte schon die ersten Symptome. Hasel- und Erlenpollen fliegen bereits. Gerade Haselstr?ucher sind in innerst?dtischen Parks und als Hecken h?ufig zu finden. Mit der Frage wie sich Stadtgrün auf die Gesundheit auswirkt und wann es für Allergikerinnen und Allergiker zur Belastung wird, besch?ftigen sich Forscherinnen der Universit?t Augsburg am Lehrstuhl für Umweltmedizin. W?hrend eine internationale Leitlinie die gesundheitliche Bedeutung urbaner Grünfl?chen grunds?tzlich bewertet, zeigt eine zweite Studie am Beispiel Augsburgs, wie sich allergene Belastungen innerhalb einer Stadt konkret verteilen.

?Unsere Arbeit zeigt, wie Umweltmedizin, Stadtforschung und digitale Gesundheitsanwendungen auf jeder Ebene zusammenwirken k?nnen, von internationalen Leitlinien über lokale Risikoanalysen bis hin zur individuellen Unterstützung per App“, erkl?rt Dr. Claudia Traidl-Hoffmann, Professorin für Umweltmedizin und Inhaberin des Lehrstuhls.

Grünfl?chen als Gesundheitsfaktor –? Internationale Perspektive:

In der Fachzeitschrift Allergy wurden unter Augsburger Beteiligung jüngst neue Leitlinien der European Academy of Allergy and Clinical Immunology (EAACI) ver?ffentlicht. Die Empfehlungen fassen den aktuellen Stand der Forschung zur Bedeutung von Grünfl?chen in urbanen R?umen für die Pr?vention von Allergien und Asthma zusammen.

Die Zentrale Botschaft: Stadtgrün ist aus gesundheitlicher Sicht grunds?tzlich wertvoll, es f?rdert Biodiversit?t, unterstützt die psychische Gesundheit und kann das Immunsystem positiv beeinflussen. Gleichzeitig kommt es jedoch auf die konkrete Ausgestaltung an. Artzusammensetzung, Pflege, Standortbedingungen und Klimafaktoren entscheiden darüber, ob Grünfl?chen zur Entlastung beitragen oder die Allergenexposition erh?hen. Die Leitlinie pl?diert daher für eine gesundheitsorientierte Stadtplanung, die ?kologische und allergologische Aspekte zusammendenkt und Biodiversit?t als Schwerpunkt sieht.

Lokale Perspektive: Wo liegen die Allergen-Hotspots?

Wie komplex diese Zusammenh?nge im Detail sind, zeigt eine zweite Studie des Lehrstuhls für Umweltmedizin, ver?ffentlicht im Fachjournal Sustainable Cities and Society. Darin entwickelten Forschende ein Verfahren zur hochaufgel?sten, raum-zeitlichen Kartierung allergener Belastungen in St?dten.

Am Beispiel von Augsburg wurden sogenannte ?allergene Hotspots“ identifiziert, also Stadtbereiche, in denen die Belastung durch bestimmte Pollenarten besonders hoch ist. Die Analyse macht sichtbar, dass Allergenexposition nicht gleichm??ig verteilt ist, sondern stark von Vegetationsstruktur, Biodiversit?t, Luftverschmutzung und Mikroklima abh?ngt. Selbst innerhalb weniger hundert Meter k?nnen deutliche Unterschiede auftreten.

Zwei Ebenen – ein Ziel

Gemeinsam zeigen beide Arbeiten: Die Frage ist nicht, ob Stadtgrün gesund ist, sondern wie es gestaltet wird. W?hrend die internationale Leitlinie den strategischen Rahmen liefert, stellt die Augsburger Hotspot-Analyse ein praktisches Instrument bereit, um lokale Risiken zu erkennen und gezielt zu minimieren. Damit verbinden die Forschenden Grundlagenwissen mit konkreter Anwendbarkeit für Kommunen, Stadtplanung und Gesundheitswesen.

PollDi-App jetzt frei verfügbar

Ein direktes Anwendungsbeispiel der Augsburger Forschung ist die PollDi-App, ebenfalls entwickelt am Lehrstuhl für Umweltmedizin der Medizinische Fakult?t. Die App wurde im Rahmen einer klinischen Studie getestet und ist nun frei zug?nglich verfügbar, für die St?dte Augsburg und Bad Hindelang.

PollDi kombiniert Pollen- und Luftqualit?tsprognosen mit einem digitalen Symptomtagebuch. Nutzerinnen und Nutzer k?nnen ihre Beschwerden dokumentieren und mit Umweltfaktoren in Beziehung setzen. ?Der Schlüssel ist die Vorhersage: PollDi macht Umweltfaktoren und Symptome früh sichtbar und unterstützt Allergiepatientinnen und -patienten im Alltag. In meiner Arbeit als behandelnde ?rztin an der Hochschulambulanz für Umweltmedizin erlebe ich t?glich, wie wertvoll solche evidenzbasierten Tools sind“, sagt Traidl-Hoffmann.

Weitere Informationen

  • Die App PollDi: www.poll-di.de/
  • Die Leitlinien für gesundheitsf?rderliche Stadtplanung:
    ?EAACI Guidelines on the Importance of Green Space in Urban Environments for Allergy and Asthma Prevention“. Tari Haahtela, Liam O'Mahony, Claudia Traidl-Hoffmann, Mubeccel Akdis, Ozlem Ceylan, Panagiotis Chaslaridis, Athanasios Damialis, Stefano Del Giacco, Antti Lauerma et.al.. Allergy. https://doi.org/10.1111/all.70182
  • Ver?ffentlichung zum Augsburger Stadtgrün und dessen Allergiepotenzial:?“Unveiling hidden allergenic hotspots: A fine-scale, parameter-optimized approach for spatiotemporal mapping of urban allergenicity assessments”. Carolin Trost, Thomas R?tzer, Claudia Traidl-Hoffmann, Maria P. Plaza. Sustainable Cities and Society. Vol. 134, 2025.?https://doi.org/10.1016/j.scs.2025.106927.
  • Hochschulambulanz für Umweltmedizin: www.uk-augsburg.de/einrichtungen/ambulanzen/umweltmedizin/ueberblick

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Der Pollenmonitor zeigt deutlich wie das Pollenaufkommen mit den ersten milden Tagen in die H?he schie?t. ? Universit?t Augsburg

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